Zum konsequenten Weinkonsum sei er nicht gerade von seinen Eltern erzogen worden, schmunzelt der 23-jährige Verwaltungsbeamte Sebastian Briel spitzbübisch. Aber zu einem guten Essen gehöre eine edle Flasche Wein seit jeher in seinem Elternhaus dazu. Das war die erzieherische Basis für eine nicht alltägliche Vereinsgründung, ein Club, der ein Jahr nach seiner Gründung fast schon boomt und aus einer Bier-, pardon: Weinlaune heraus entstand.
Das kam so: Briel schaute sich vor etwas mehr als zwölf Monaten mit einem Freund – Christian Bausch, der mittlerweile Schatzmeister der Vereinigung ist – zu Hause ein Fußballspiel an. Da sie in Bezug auf geistige Genüsse dem gleichen Geschmack frönen, verschönerten sie sich den Genuss des Matches im Fernsehen nicht etwa mit dem Öffnen von Kronkorken-Flaschen sondern mit dem behutsamen Herauswinden von Kork aus länglichen Flaschen und bedauerten es wieder einmal, dass die Jugend von heute so wenig mit dem Rebensaft anzufangen vermag. Mit einem jährlichen Weinverbrauch von rund 19 850 Hektolitern hinkt man hierzulande fässerweit hinter den Franzosen, natürlich, her (32 800), aber selbst hinter dem Cola- und Bulettenland USA (25 900).
„Klar“, räumt Sebastian Briel ein, „auf eine Party passt Wein nun mal nicht so wie Bier. Weil er eben ein sehr stilvolles Getränk ist.“ Er und Christian Bausch beschlossen, eine Gruppe aus dem Weinbottich zu heben, die sich fortan, ganz und gar in den Dienst des bevorzugten Getränk des Dionysos stellen sollte. So also wurde er gegründet, der Wein- und Kulturverein Nieder-Wöllstadt.
„Das fand ich ganz schön spannend, überhaupt einen Verein zu gründen“, sagt Sebastian Briel, der den WKV seitdem als Vorsitzender leitet. Die für eine Gründung erforderliche Mehrheit von sieben Mitgliedern („alle aus meinem Freundeskreis“) bekamen die Weinfreunde gerade so zusammen, dann ging es aber schluckweise und zügig voran: Mittlerweile sind immerhin einhundert Menschen eingetragenes Mitglied im WKV. 70 Prozent aus Wöllstadt, der Rest aus der Wetterau, die weiteste Anreise hat ein Weinfreund aus Stadt-Allendorf, 60 Prozent sind männlich, sehr viele Jugendliche, womit ein Anliegen, die Wein-Promotion, schon mal erfüllt wäre.
„Bei der Weihnachtsfeier meines Fußballvereins“, freut sich Briel, „wurde vermehrt zu Wein anstatt zum Bier gegriffen.“ Ja, selbst die Schützlinge von der JGS Wöllstadt, mit denen er das Dribbeln und Toreschießen einübt, hätten bereits angekündigt, wenn sie das bestimmte Alter erreichten, wollten sie sogleich dem Weinbund beitreten. Denn, das ist Briel wichtig: „Gemäß dem Jugendschutzgesetz ist erst 16-Jährigen das Trinken von Alkohol gestattet. Somit dürfen Jüngere auch nicht Mitglied bei uns werden.“
Doch selbst Menschen ab 16 haben, wie man hört, hin und wieder Probleme mit dem Alkohol. Und dann ein Verein, der sich der PR dafür verschrieben hat? „Bei uns geht es nicht, um das klipp und klar zu sagen, ums Saufen“, unterstreicht Sebastian Briel nüchtern. „Es geht um den Genuss. Vor allem darum, mehr über den Wein, über dieses Kulturgut zu erfahren. Im Prinzip also Weiterbildung. Denn der Wein ist etwas Komplexes, etwas sehr vielschichtiges“
Deshalb unternimmt der Verein Fahrten zu Winzern und richtet gelegentlich Weinseminare aus. Im vergangenen Jahr gab es ein Sommerfest in Wöllstadt, das auf breite Resonanz stieß. Und wie steht es um die Begrifflichkeit der Kultur im Vereinsnamen? „Die soll nicht zu kurz kommen“, schiebt Briel schnell nach. „Wir wollen ein selbstständiges Kulturangebot für Wöllstadt aufbauen. Fangen demnächst vielleicht mit einem bunten Abend an.“ Und wenn bei dieser Gelegenheit einer ein Bier bestellt? „Da sind wir schon liberal“, schmunzelt Sebastian Briel nachsichtig.